Dunkelverarbeitung

Licht ins Dunkel: Was passiert bei der automatisierten Dunkelverarbeitung?

Herzstück jedes Automatisierungsvorhabens ist das automatische Prozessieren von Geschäftsvorgängen – die sogenannte Dunkelverarbeitung. Die Verarbeitung bleibt im Dunkeln, da der Ablauf weder vom Anwender eingesehen werden kann noch die Ausführung unmittelbar beobachtet werden kann. So trifft die Automatisierungssoftware selbständig Entscheidungen auf Basis der verfügbaren Daten entsprechend der programmierten Regeln. Je umfangreicher das Automatisierungsvorhaben, je „länger“ der Prozess ist, umso mehr Entscheidungen werden von der Software getroffen.

So wünschenswert eine vollständige Automatisierung von langen Prozessketten ist, so groß ist auch das Unbehagen mit der von der „Maschine“ getroffenen Entscheidungen, wenn Anwender und Stakeholder lediglich mit dem Ergebnis der Dunkelverarbeitung konfrontiert werden. Hier können schnell Widerstände entstehen und der Nutzen der Automatisierung insgesamt angezweifelt werden.

Um diesen Zweifeln wirksam entgegentreten zu können, muss bereits bei der Konzeption von Prozessautomatisierungen größtmöglicher Wert auf Nachvollziehbarkeit und Transparenz gelegt werden:

Daten – Die Daten, auf deren Basis der Automat eine Entscheidung trifft, sind zu persistieren. Dies ist insbesondere dann erheblich, wenn sich die Datengrundlagen mit Zeitablauf verändern können. Dieser Fall kommt häufig vor, wenn Daten aus Drittsystemen übernommen werden und die von dort geholten Daten nicht konstant sind. In dieser Konstellation kann eine automatisch getroffene Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt anders ausfallen, wenn sich die Daten im Drittsystem mittlerweile geändert haben. Hier kann der Eindruck entstehen, dass der Automat falsch entschieden hat, wenn nicht die ursprünglichen Daten nachvollzogen werden können.
So erfolgt etwa bei der mit targenio realisierten automatischen Prüfung von Ansprüche von Fluggästen aufgrund von Flugverspätungen von mehr als drei Stunden gemäß EU VO 261/2004 ein Rückgriff auf das Fluginformationssystem, in dem festgehalten wird, ob ein Flug kompensationsfähig ist oder nicht. Da sich die Bewertung zur Kompensationsfähigkeit von verspäteten Flügen aufgrund neuer Informationen ändern kann, musste also protokolliert werden, welchen Beurteilung zum Zeitpunkt des Prozessdurchlaufs bestand.

Regeln – Die Regeln, die auf die Daten angewendet worden sind, müssen ebenfalls in einer nachvollziehbaren Art und Weise protokolliert werden. Ein Workflowsystem wie targenio bietet hier erhebliche Vorteile, da dieses bereits aufgrund seiner Architektur die angewendeten Regeln und alle wesentlichen Entscheidungen, Aktionen und Aktivitäten protokolliert. Außerdem werden die zu durchlaufenden Prüfungen in einem Workflowsystem üblicherweise als Entscheidungsbaum hinterlegt, was die Nachvollziehbarkeit erleichtert.

Ergebnisse – Selbstverständlich müssen die Ergebnisse der Dunkelverarbeitung gespeichert werden. Hier hat es sich bewährt, auch die Zwischenergebnisse der einzelnen Prüfschritte zu protokollieren, da nur so der durchlaufende Algorithmus nachvollzogen und Compliance-Anforderungen erfüllt werden können.

Prozesse, die unsichtbar und lautlos im Dunkeln ablaufen, müssen kein Unbehagen hervorrufen, wenn bei der Konzeption auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit ausreichend geachtet wird.

Takeaway

  • Jedes Automatisierungsvorhaben muss Transparenz und Nachvollziehbarkeit über die automatisch getroffenen Entscheidungen sicherstellen.
  • Bei targenio sind diese Anforderungen durch die Workflow-Engine bereits „built-in“.